Seppi Soder: Urgestein beim Veloclub Rheinstern Möhlin
Als 15-Jähriger machte Seppi Soder seine ersten Radball-Versuche. Schon bald begann er, beim Veloclub Rheinstern Möhlin Verantwortung als Trainer und Schiedsrichter zu übernehmen. Dieses Jahr feiert er 70 Jahre Vereinstreue.
«Ich bekam in all den Jahren beim Radball nie eine gelbe Karte. Beim Fussball-Grümpi in Möhlin, das war zirka 1967, gehörten damals der TV, die Fischerzunft und die Radballer zu den Favoriten. Im Halbfinal trafen wir auf die Italiener und gerieten 0:1 in Rückstand. Von da an spielte der Gegner auf Zeit und sie schossen den Ball immer weit ins Aus, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Ich bin ja sonst ein ruhiger Typ, aber damals flippte ich aus, als einer vor meiner Nase wieder den Ball wegschoss. Ich trat ihm mit dem Fuss in den Hintern. Dummerweise hat der Schiedsrichter alles gesehen, und ich flog mit meiner einzigen roten Karte vom Platz...» Das ist nur eine von vielen Anekdoten, die Seppi Soder aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Radballer zu erzählen hat. Bis zum 68. Lebensjahr spielte er aktiv Radball. Neben 70 Jahren Vereinszugehörigkeit zum Veloclub Rheinstern Möhlin, blickt er heute auf eine 60-jährige Schiedsrichter-Karriere und eine über 50-jährige Karriere als Radballtrainer zurück.
«Alle gingen durch Seppis Schule», erklärt Xaver Kalt, der den Veloclub Rheinstern Möhlin von 2004 bis 2020 präsidierte. Nachdem Seppi Soder 15-jährig begann, Radball zu spielen, etablierte er sich später als Trainer und Schiedsrichter. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Bruno war er während 30 Jahren ein Team und erreichte unzählige Turniersiege und Aargauer Meistertitel. «Mein Bruder Bruno war auch der grosse Mechaniker. Dank ihm konnten wir immer mit top ausgerüsteten Velos antreten», sagt Seppi Soder. Die beiden schafften es bis in die Nationalliga B. «Der Höhepunkt in all den Jahren war 1977, als ich zusammen mit Gabriel Walser den Aufstieg in die Nationalliga A schaffte», erinnert sich Seppi Soder. Es sind aber nicht nur die sportlichen Erfolge, sondern viele andere Geschichten, an welche er gerne zurückdenkt. So zum Beispiel an die Zugfahrt an die Schweizermeisterschaften nach Bremgarten vor fast 60 Jahren. Damals besass er noch kein Auto und sein Bruder und er mussten mit den Velos vier Mal umsteigen. «Als wir dann endlich in Bremgarten West ankamen, wollten wir beim Bahnhofvorsteher unsere Radballvelos entgegennehmen. Wir machten grosse Augen, als dieser uns mitteilte, dass Räder nur im Bahnhof Bremgarten Ost entladen werden.» So rannten die beiden zuerst zur Reussbrücke-Halle, um mit den anderen Mannschaften zu klären, ob sie auf sie warten würden.
«Ohne Seppi gäbe es unseren Verein vermutlich nicht mehr», betont Xaver Kalt. Dabei spricht er den unermüdlichen Einsatz an, den Seppi Soder auch für den Nachwuchs leistete. Jahrzehntelang fuhr er Wochenende für Wochenende mit den Jungen an die Turniere und absolvierte mit seinem Auto Abertausende von Kilometern quer durch die Schweiz. Auch heute noch liegt ihm der Vereinsnachwuchs am Herzen. So verpasst er keine Gelegenheit, eine junge Familie anzusprechen. In der Halle macht er für die Kleinen ein Velo bereit und motiviert sie, gleich darauf zu fahren und ein paar Sachen auszuprobieren. Radballer und Radballerinnen aller Altersklassen wurden in den letzten Jahrzehnten durch Seppi trainiert. Als Haupttrainer hat er 78-jährig aufgehört, die Anfänger trainiert er heute noch. «Seppi war nicht nur Trainer, sondern auch Vorbild für uns. Er hatte immer sehr viel Geduld und brachte uns neben dem Sportlichen einiges über Fairness, Vereinsleben, Zusammenhalt und noch viel mehr bei. Er ist eigentlich wie ein Vater, respektive Grossvater für uns alle», sind sich langjährige Vereinsmitglieder einig. In den nächsten Tagen feiert Seppi Soder seinen 85. Geburtstag. Was wünscht er sich? «Weiterhin mit dem Radball verbunden zu sein und gesund zu bleiben.» Für seine Gesundheit tut er einiges. Er macht mehrmals pro Woche tibetische Übungen, arbeitet regelmässig in seinem Garten und ist selbstverständlich mit dem Velo unterwegs.



