Radball - wie alles begann

 Die Geburtsstunde des Radballs…

… lässt sich nicht auf den Tag genau festlegen. Um dieses Ereignis ranken sich verschiedene, zum Teil gegensätzliche Legenden.

Es geschah anno 1890 im Central Park von New York, als dem spazieren fahrenden Nicholas Edward Kaufmann (angeblich ein Schweizer) ein Mops vor sein Hochrad gerit. Um den armen kleinen Hund nicht zu überfahren, schubste ihn Kaufmann mit einer reflexartigen Schwenkung des hochgehobenen Hinterrades zur Seite. Der, in hohem Bogen dahinfliegende Mops soll Nicholas E. Kaufmann dazu inspireirt haben, dasselbe mit einem Ball zu versuchen. So kam es, dass Nick Kaufmann, Zirkusartist und frischgebackener Weltmeister im Kunstradfahren (Champion Bicycle Trick Rider of the World) zusammen mit seinem Partner John Featherly am14. September 1893 im berstend vollen «Washington Ring» zu Rochester, dem staunenden Publikum auf Hochrädern eine Radball-Exhibition zum Besten gab. Er verwendete dabei das 1882 entwickelte «American-Star-Bicycle», bei welchem das kleine Hinterrad nach vorne als Steuerrad versetzt wurde. Das Radballspiel war damit aus der Taufe gehoben. In dieser Form kam es auch nach Europa, wo es 1901 in Deutschland von den Brüdern Paul und Otto Lüderns vom «Bundesverein Sport Berolina» erstmals gespielt wurde.

 

Radball in Vollendung gespielt, ist wie eine Zirkusnummer: artistisch, schnell, witzig, fintenreich und zumeinst ohne die gehässigen Fouls, wie sie in anderen Ballsportarten zu beobachten sind. Eine Radball-Partie beteht aus: Antritt, Sprints, Ballschlagen, Stillstehen, Austricksen, Abwehren, Torschüssen und… Veloreparaturen!


 

In Gasthofsälen, Turnhallen, auf Sportplätzen – überall wo Parkett- oder ähnlich harter Boden war, spielten die Kunstradfahrer Radball. Meistens zwei gegen zwei, oder auf dem Rasen, aber auch sechs gegen sechs. Auf Antrag des Bundes Deutscher Radfahrer wurde sowohl Zweier-Radball als auch Sechser-Rasenradball schon 1930 Weltmeisterschaft-Disziplin. Erste Titelträger im Zweier wurden in Leipzig die Dresdner Scheibe/Bernd. Auf dem Rasen triumphierte in Antwerpen allerdings das Sextett aus Frankreich über Deutschland, vertreten durch Wanderlust 05 Frankfurt, das sich später dreimal den Titel holte.

 

Während das Radballspiel zu sechst dem Fünferradball gewichen ist (hier gibt es jedoch keine internationalen Meisterschaften), ist der Zweierradball beliebt wie eh und je und mittlerweile sogar im fernen Japan, Singapur und Malaysia populär. Dominierend freilich sind weiterhin die Europäer. Anfangs war zweier Radball «das» Spiel der Deutschen. Von 1951 bis 1954 und 1956 waren Willi und Rudi Pensel Vizeweltmeister und 1955 und 1957 Weltmeister. Danach wurden dann die Schweizer weltmeisterlich (Breitenmoser/Osterwalder, 5 WM-Titel (1950–1956). Anschliessend 1965–1989 kam das weltbeste Radballpaar aus der Tschechoslowakei Jan und Jindrich Pospisil, die sage und schreibe 21 mal den Weltmeistertitel errangen. Nach ihrem Rücktritt errangen 1990 die Gebr. Steinmeier und 1991 und 1992 die Gebrüder King die Weltmeisterschaft. 1993 fanden die Weltmeisterschaften erstmals ausserhalb Europas in Hong Kong statt. Hier konnte sich die Schweiz erstmals wieder seit 33 Jahren den Titel sichern (Kern/Bosshardt, 4 WM-Titel (1993–1997). 1994 in Saarbrücken gewannen die Gebrüder King erneut den Titel.

 

Radball gehört zur Sparte des Hallenradsports. Zwei Teams versuchen, den Ball mit Hilfe eines Radballrades möglichst oft im Tor des Gegners unterzubringen.

 

Diese Sportart erfordert von den Spielern eine hervorragende Bewegungsmotorik und Geschicklichkeit im Umgang mit dem Radballrad, das mit einem herkömmlichen Fahrrad nur wenig Ähnlichkeit hat. Es hat eine starre Übersetzung und keine Bremse.

 

Beim 2er-Radball besteht eine Mannschaft aus zwei Spielern: Torwart und Feldspieler, wobei auch der Torhüter im Feld spielen kann und umgekehrt. Spielzeitdauer 2x7 Minuten.

 

Das Spielfeld ist 14 Meter lang und 11 Meter breit. Es ist umgeben von einer 30 cm hohen Schrägbande (Neigung 60°). Die Tore sind zwei Meter breit und ebenso hoch.

 

Der Ball hat Kugelform, 17–18 cm Durchmesser und hat ein Gewicht zwischen 500 und 600 g, ist also recht schwer. Seine Geschwindigkeit erreicht bei Freischlägen bis zu 70 km/h. Gespielt wird der Ball durch Schläge mit dem Rad ohne Benutzung von Händen und Füssen. Nur der verteidigende Torwart darf in seinem Strafraum auch die Hände zur Ballabwehr benutzen. Kopfbälle sind gestattet.

 

Im Strafraum, dem mit einer durchgezogenen Linie von 2m-Radius gekennzeichneten Halbkreis um das Tor, darf sich jeweils nur ein Spieler jeder Mannschaft befinden. Grobe Regelverstösse im eigenen Strafraum (z.B. Fussabwehr) werden mit einem direkten Strafstoss (4-Meter) geahndet. Andere Regelübertretungen ausserhalb des Strafraumes (z.B. Angriff auf den Gegner oder dessen Fahrrad) werden mit Freischlägen bestraft.

 

Bei Bodenberührung während des Spiels mit Fuss oder Körper ist der betreffende Spieler erst wieder spielberechtigt, wenn er die Torauslinie des eigenen Gehäuses überquert hat.

 

Beim 5er-Radball, stehen sich 5 Spieler gegenüber und die Tore sind 2x4m gross. Es kommt auf einem Handballfeld zur Austragung. Ein Spiel dauert 2 x 15 Minuten und ist für die Spieler (wegen der Grösse des Spielfeldes und der Spieldauer) sehr kräftezehrend.

 

Die erfolgreichsten WM-Teilnehmer aller Zeiten von 1930–2006:


 1. Pospisil/Pospisil (CZE): 20 WM-Titel (1965–1988)

 

2. Schreiber/Blersch (GER): 6 WM-Titel (1931–1937)

 

3. Breitenmoser/Osterwalder (SUI): 5 WM-Titel (1950–1956)

 

4. Buchholz/Buchholz (GER): 5 WM-Titel (1959–1964)

 

5. Kern/Bosshardt (SUI): 4 WM-Titel (1993–1997)

 

6. Steinmeier/Steinmeier (GER): 3 WM-Titel (1982–1990)

 

7. King/King (GER): 3 WM-Titel (1991–1994)